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Du-o HapCiu

Aroa Sorin und Norbert Michael widmen sich in ihrem Duo einer Klangwelt jenseits der Kategorien des Mainstream. Sie bringen für ihr Duo komponierte Stücke ebenso zur Aufführung, wie Werke früher Mehrstimmigkeit der Zeit um 1400 oder solche aus der im 17. Jh. in Istanbul entstandenen Handschrift des  Gelehrten und Musikers Dimitrie Cantemir. 

Ihre Zuhörer zum Innehalten und Reflektieren zu bewegen, sie wieder in Kontakt zu bringen mit den Empfindungen die Klänge und sprachlicher Ausdruck wecken können, ist für die beiden Musiker das wichtigste Anliegen. Einen besonderen Schwerpunkt setzen sie darum in der Vermittlung akustischer Erfahrbarkeit von Räumen. Aroa Sorin und Norbert Michael geht es also nicht um die Zur-Schau-Stellung eigener Virtuosität, sondern im Gegenteil um die Zurücknahme der Selbstdarstellung zugunsten der gemeinsam mit ihrem Publikum erlebten Klangwirklichkeit.

Die findet im Augenblick statt. Sind nicht alle Sinne darauf ausgerichtet, ist dieser Augenblick schon vorbei, bevor er wahrgenommen wurde. Man könnte also sagen, die Konzerte des Du-o HapCiu wären genussvolle Anleitungen zur Achtsamkeit.

Die Reihe für musikalische Literatur und literarische Musik des Du-o HapCiu:

Not afraid - Robert Lax heute

Er war einer der großen Einzelgänger der amerikanischen Literatur: Robert Lax, geboren am 30. November 1915, verstorben am 26. September 2000. Er wirkte als Mentor und Inspirationsquell für so bedeutende Autoren wie Thomas Merton, Jack Kerouac, William Maxwell und viele weitere. Anders als die bekannteren literarischen Köpfe seiner Generation, arbeitete er sich nicht ab an der Rebellion gegen den amerikanischen Lebensstil, sondern widmete sich ganz und gar der Frage, wie ein authentisches Leben sowohl als Künstler, wie auch spiritueller Sucher gelingen kann. Diese, seine Lebensaufgabe nannte er "pure act." Konsequenter Weise verbrachte er die zweite Hälfte seiner Lebenszeit als Einsiedler auf der griechischen Insel Patmos.

In seinen Gedichten ist uns dieser stille Mensch ganz nah, der sich alle Zeit der Welt nahm, um sich und der Natur Antworten auf die existentiellsten Fragen abzulauschen. Aroa Sorin, Viola und Norbert Michael, Stimme, erschaffen aus Robert Lax' Gedichten ein faszinierendes Klanggewebe, durchscheinend, reissfest, aber auch mit Löchern, Durchblicken an den entscheidenden Stellen. Freuen Sie sich auf einen Abend von stiller Weite und klangerfüllter Tiefe.

Berg im Wind 

Petrarca: Die Besteigung des Mont Ventoux.

Das 14. Jh gilt den Historikern als Inkubationszeit des Humanismus. Ausgehend von Italien gelangte der Gedanke, den Menschen als Individuum mit kommunizierbaren Empfindungen und freiem Entscheidungswillen zu sehen, in ganz Europa in Umlauf. Schriftsteller wie Dante, Petrarca und Boccaccio trugen mit ihren Werken ganz wesentlich zu diesem neuen Menschenbild bei. Und Petrarcas Bericht seiner Besteigung des Mont Ventoux bringt diese Idee wie unter einem Brennglas auf den Punkt. Lassen Sie uns diesen Text zum Anlass nehmen, nach den eigenen Empfindungen zu forschen und sie unterscheiden zu lernen von Emotionen und Gedanken, die vielleicht durch diese Empfindungen erst ausgelöst werden. Wir fragen also nach der Quelle. Und wir schauen, ob sich diese Empfindungen beim Hören von Musik von Mensch zu Mensch unterscheiden oder ob es Ähnlichkeiten, Gemeinsamkeiten gibt. Dazu haben wir einen Fragebogen für Sie vorbereitet, der Ihnen helfen soll, Empfindungen im Moment des Hörens zu konkretisieren, zu notieren und anschliessend zu vergleichen. 

Kompositionen von Francesco Landini (ca. 1335 - 1397) und Abdulkadir Maragi (ca. 1353 - 1435)

Zu Petrarca: 1304, Arezzo - 1374, Arqua (bei Padua) •Wiederentdeckt die Briefe Ciceros und findet darin wesentliche Inspiration für seine eigene literarische Entwicklung. Die Sprache der Sonette Petrarcas wird zur Mustervorlage des neuzeitlichen Italienisch, wie es Pietro Bembo im 16. Jh codifiziert.

•Petrarcas Brief an die Nachwelt, der letzte der „Seniles" ist die erste Autobiographie seit Augustinus.

•„Non al suo amante" Jacopo da Bologna, Madrigal ca 1345, einzige Vertonung eines Sonetts zu Lebzeiten Petrarcas.

•„Per seguir la sperança" Landinis einzige erhaltene Vertonung eines Petrarca zugeschriebenen Texts, der Bezug nimmt auf den Torspruch des Infernos in Dantes Göttlicher Kommödie: „Lass alle Hoffnung fahren."

Pierrot träumt Palmström 

Erik Satie, der geniale Barpianist und Exzentriker im Paris der Jahrhundertwende, inspirierte seine Zeitgenossen Claude Debussy und Marice Ravel, mehr aber noch seine späten Enkel im Geiste, John Cage, Steve Reich, Philip Glass ... und Du-o HapCiu. Aroa Sorin und Norbert Michael komponieren ein mondsüchtiges Menue aus Musikwerken von Erik Satie, Gabriel Fauré und Maurice Ravel mit Gedichten von Albert Giraud und Christian Morgenstern. Wenn Girauds Pierrot Lunaire den liebenswerten Geistern aus Morgensterns Galgenliedern begegnet, kann eigentlich nur zauberhafte Musik entstehen. Nebelnass, spinnwebzart und silberbleich fängt sie uns ein und entführt uns in die skurile, vergnügliche Phantasiewelt unserer nächtlichen Spukgestalten. Aroa Sorin an Bratsche und Violine und Norbert Michael mit Stimme und diversen Blasinstrumenten, sind musikalische Brückenbauer zwischen Zeiten und Welten. Orientalische Kunstmusik begegnet da ganz nonchalant freitonaler Improvisation oder schmelzender Melodienseligkeit.

 

Amarilli singt nun alleine

Um das Jahr 1600 brach, musikalisch gesehen, in Italien eine neue Zeit an: Solo war angesagt. Was bisher begabte Höflinge im Gemach der Liebsten zur Laute extemporierten, wurde nun auskomponiert und auch gedruckt: Lieder für eine Stimme zur instrumentalen Begleitung durch Laute oder Tasteninstrument. Der Weg dahin ist spannend und führt weiter zur Geburt einer neuen musikalischen Gattung, die wir heute Oper nennen. 

Zeitgleich emanzipieren sich aber auch die Instrumente vom alleinigen Leitbild der menschlichen Stimme. Komponisten wie Girolamo Frescobaldi oder Salomone Rossi, schreiben nun auch Stücke für ein oder zwei Soloinstrumente zur Bassbegleitung. Du-o HapCiu verstärken sich für dieses Programm, um der wichtigen Bassstimme die nötige Geltung zu verschaffen.

Catriona

- eine schottische Räuberpistole auf Beethoverns Nachttisch?

Volksliedbearbeitungen für Violine, Cello, Klavier und Stimme von L. v. Beethoven, WoO 152-8, erschienen 1810-1820, Bearbeitungen schottischer Volkslieder für Violine, Cello, Klavier und Stimme von Joseph Haydn, Hob.XXXIa, erschienen 1792-95, sowie Auszüge aus Catriona von R.L. Stevenson. Handlungszeit 1751, verfasst 1892

 

Moldawische Nachtigal im goldenen Käfig

Istanbul, 1688. Dimitrie Cantemir, ein 15-jähriger Prinz aus Moldawien wird als Geisel des Sultans in der Metropole am Bosporus abgeliefert. Sein Leben im goldenen Käfig nutzt er für ausgiebige Musikstudien bei den angesehensten Meistern. Er ist bald ein beliebter Gastmusiker bei den zahlreichen Konzerten in den Häusern der hohen Beamten und Würdenträger der Stadt. Schliesslich verfasst er ein bis heute hochgeschätztes Kompendium der osmanischen Musiktheorie. Dazu entwickelt er eine arabische Notenschrift und bewahrt so einen immensen Schatz an osmanischer Instrumentalmusik des 16. und 17. Jahrhunderts für die Nachwelt. Du-o HapCiu bringt die Musik aus Cantemirs Handschrift neu zum Klingen und stellt ihr die ebenso spannende Vokalmusik seiner Zeitgenossen gegenüber. Erzählte Einschübe machen das abenteuerliche Leben Cantemirs in Istanbul lebendig.

Dein Lächeln - Ein Vogelschwarm in mir

E.E. Cummings - Rumi/Coleman Barks

Die Musiker des Du-o HapCiu, Aroa Sorin und Norbert Michael, sind musikalische Brückenbauer zwischen Zeiten und Welten. Orientalische Kunstmusik begegnet da ganz nonchalant freitonaler Improvisation oder schmelzende Melodienseligkeit. Sie feiern mit diesem Programm eine klingende Hommage an zwei Dichterrebellen, die 700 Jahre trennen, die aber in ihrem Denken und Wirken verbunden sind durch ihr gemeinsames, alles beherrschendes Thema: Liebe.

E.E. Cummings experimentierte seit 1917 mit Form, Interpunktion, Schreibweise und Syntax so leicht, spielerisch und sinnlich, dass er heute als der Avantgardist der Liebeslyrik gilt. Als er 1962 starb, war er nach Robert Frost der am meisten gelesene Dichter der Vereinigten Staaten.

Rumi begann um 1244, seinen Schülern feurige Liebesgedichte zu diktieren und riskierte durch die unangepasste Schilderung seiner göttlichen Erfahrung sein Leben. Als Rumi 1273 starb, sollen sich nicht nur seine muslimischen Anhänger um das Totenlager versammelt haben, sondern auch jüdische und christliche Gelehrte und Künstler, die seinen erleuchteten Geist priesen und das Feuer göttlicher Liebe, das sie durch ihn erfahren hatten.

1403 - Die Reise nach Samarkand

Samarkand! Schon der Name ist Verheissung und sein Klang erweckt Tagträume und Sehnsüchte. Mittagshitze, flirrendes Licht, das unglaubliche Blau der keramikverkleideten Moscheen und Medresen, der betörende Duft von Bergen reifer Früchte, der Lärm im Bazar ... und drinnen Stille. Dann der Klang von Flöte und Tamburin, Gesang in einer längst vergessenen Sprache. Am 21. Mai 1403 stach Ruy Gonzales de Clavijo mit seinen Gefolgsleuten in Cadiz in See. Er war kein Abenteurer, sondern Diplomat seiner katholischen Majestät, des Königs Heinrich III von Kastilien und Leon. Und sein Auftrag war von weltpolitischer Tragweite: "Bewege Timur, den Grosskhan im fernen Samarkand dazu, sich mit uns zu verbünden gegen Bayazid, den Sultan der Osmanen, der uns erneut bedroht." Am 8. September 1404 wurde er in Samarkand von Timur empfangen. Er blieb drei Monate. Als er drei Jahre später schliesslich wieder zuhause in Spanien ankam, hatte sich sein Auftrag erledigt, denn Timur war tot und sein Reich zerfiel. Aber der gescheiterte Diplomat brachte einen Reisebericht mit, dessen aufmerksame und ungewöhnlich detailgenaue Schilderungen das westeuropäische Bild vom märchenhaften Samarkand bis ins 19. Jh hinein prägen sollten.

Was Clavijo in den drei Monaten seines Aufenthalts in Samarkand erlebte und für die Nachwelt niederschrieb, kontrastiert das Du-o HapCiu mit der Musik von Timurs Hofkomponisten Abdulkadir Maragi. Ihn hatte der Nomadenfürst bei einem seiner grausamen Feldzüge in die Residenzstadt Samarkand verschleppt, wie tausende andere mit ihm. Er, der aus dem persischen Teil Azerbaijans stammte und in Bagdad eine hohe Stellung innehatte, sollte die prunksüchtigen Feste in Timurs zahllosen Palästen mit den raffinierten Klängen der Musik Persiens verzaubern. Clavijo erwähnt Musik in seinem Reisebericht nur am Rande. Ob und wie sich Maragi und Clavijo begegnet sind, was sie sich zu sagen hatten, bleibt allein unserer Imaginationskraft überlassen. Auf nach Samarkand! 


Steppenklänge

Die Steppen Zentralasiens waren reich an Märchen und Geschichten, die das harte tägliche Leben der Menschen ebenso spiegeln, wie die mystischen Geschehnisse in der Anderswelt. Schamaninen und Schamanen reisten zwischen hier und dort und webten seit uralten Zeiten das kollektive Gedächtnis ihres Stammes.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Geschichten der Nomadenvölker noch nicht vollständig vom kommunistischen Kulturkampf ausgelöscht worden waren, protokollierten einige weitsichtige Ethnologen die Erzählungen der letzten Schamanen. Aus ihren Berichten destillierte Norbert Michael den Stoff für seine Geschichten vom Waisenjungen Özküz-Ool oder der mächtigen Schamanin Nishan.

In der Kultur der Steppennomaden gehen Erzählen, Gesang, Instrumentalmusik und Selbstvergewisserung in der Kosmologie der Schamanen in eins. Auch die Musikinstrumente und die Lieder haben ihren mythischen Ursprung. So wird von der Flöte Shoor berichtet, dass ein Jäger sie "fand" nachdem ihn tagelang das Jagdglück im Stich gelassen hatte. Im Klang seines Spiels offenbarte sich ihm der Hirsch, den er am nächsten Tag in seiner Stellfalle fand.

So kann es nicht verwundern, dass man nicht in das nächste Musikgeschäft gehen und eine Shoor kaufen kann. Wer sie spielen will, wird selbst einen Weg zu ihr finden müssen. Die Instrumente der Nomadenmusiker wollen erjagt, erkämpft oder eben selbst gebaut sein.

Auch im Fall der Geigen-Urahnin Kobyz kam Norbert Michael nicht umhin, diesen Weg zu gehen. Lernerfahrungen ohne Beispiel sind der Lohn der anstrengenden und manchmal auch frustrierenden Arbeit. Doch schliesslich sind die Saiten aufgezogen und die Kyl-Kobyz offenbart sich mit ihrem ganz besonderen Klang.

 

Hasenleben

 

... Das Schaukelpferd wohnte schon länger als alle anderen in dem Kinderzimmer. Es war so alt, daß sein Bezug nur noch aus Flicken und durchgewetzten Nähten bestand. Die meisten seiner Schwanzhaare waren ausgerissen, weil man darauf so gut Halsketten auffädeln konnte. Es war weise ...


"Was ist echt?" fragte eines Tages der Stoffhase, als sie Seite an Seite lagen, bevor das Kindermädchen gekommen war, um aufzuräumen. "Bedeutet es, dass man Sachen in sich hat, die summen, und einen Griff daran?"
"Echt", antwortete das Schaukelpferd, "ist nicht, wie man gemacht ist. Es ist etwas, was mit einem geschieht. Wenn ein Kind dich liebt für lange, lange Zeit, nicht nur um mit dir zu spielen, sondern wenn es dich wirklich lieb hat, dann wirst du echt."
"Tut das weh?" fragte der Hase.
"Manchmal", antwortete das Schaukelpferd, denn es sagte immer die Wahrheit. "Wenn du echt bist, dann hast du aber nichts dagegen, dass es weh tut."
 
aus: Margery Williams, The Velveteen Rabbit, deutsch: Norbert Michael
Lesung mit Musik von und mit Norbert Michael 

 

horchTief

horchTief erforscht gemeinsam mit dem Publikum die vielfältigen Möglichkeiten der Interaktion von Klang, Bild und Bewegung im elektronikfreien Raum. Das Ensemble um den Sänger, bildenden Künstler und Tänzer Norbert Michael lotet in wechselnden Konstellationen mit anderen Künstlern die Potentiale einer weit geöffneten Sinneswahrnehmung aus. Eine Performance von horchTief lädt das Publikum ein, das eigene Gehäuse aus Erwartungen und vorgefassten Meinungen zu verlassen und voller Neugier ein Rendezvous mit dem Unvorhersehbaren zu riskieren.

> Joe Eisenburger, Kontrabass und Norbert Michael, Stimme zu Gedichten von Robert Lax

 

> Improvisation über ein Gedicht von Osho mit Jörn Bartels

> Klangforschung: Ney & Violine (Aroa Sorin)

 > Klang-Tanz-Improvisation mit Susanna Grob


 

sadnavaa

sadnavaa schlägt eine tönende Brücke über den Bosporus und macht das reiche kulturelle Erbe des Orients für uns erlebbar. Die Musiker, Sprecher, Tänzer um den Sänger Norbert Michael erforschen die jahrhundertealten Quellen und spielen mit orientalischen Melodien, die seit dem Mittelalter überliefert wurden. Sie musizieren Musik vom Hof Timurs in Samarkand und Kompositionen vom osmanischen Hof in Istanbul ebenso wie Schmachtfetzen aus den alten Kasinos am Bosporus.

Aber ihre Aufmerksamkeit gilt auch der lyrischen Tradition des Orients mit so berühmten Meistern wie Saadi, Hafez und Rumi. Deren Verse wurden mit Vorliebe von osmanischen Komponisten vertont, die den Sufiorden nahestanden. Sie bringen mit ihren mystischen Bildern eine ganz besondere Farbigkeit in die Musik. Neben der deutschen Übertragung der Gedichte, spielt der Klang der Originalsprache für sadnavaa eine tragende Rolle.