Unsere Wahrnehmung des Nahen Ostens wird heute geprägt durch Medien, die uns mit immer neuen Bildern und Schlagzeilen von Terrorismus, Islamismus, Unterdrückung und Krieg bombardieren. Wie aber ist der Orient wirklich? Wird diese wohl älteste Kulturregion dieser Erde nicht von Millionen von Menschen bewohnt, die leben und arbeiten, lachen, weinen, singen und ihre Kinder grossziehen? Ihr unermesslich reiches kulturelles Erbe, ihre Poesie, ihre Musik ist es tausendmal wert, von uns entdeckt und erlebt zu werden. Diesen wertvollen Schatz für uns zu heben und genussfertig zuzubereiten, haben sich der Sänger Norbert Michael und die Bratschistin Aroa Sorin zur Aufgabe gemacht. Sie erforschen, singen und spielen orientalische Melodien, die teils seit dem 15. Jh. überliefert wurden ebenso, wie Kompositionen vom osmanischen Hof in Istanbul oder Schmachtfetzen der Zeit um 1900 aus den alten Kasinos der Vielvölkerstadt am Bosporus. Ihre Aufmerksamkeit gilt aber auch der lyrischen Tradition des Orients mit so berühmten Meistern wie Saadi, Hafez und Maulana Jalaluddin, genannt Rumi. Deren Verse wurden mit Vorliebe von osmanischen Komponisten vertont und bringen mit ihren mystischen Bildern eine ganz besondere Tiefe in die dazu verfasste Musik. Aroa Sorin und Norbert Michael bringen am 13. Oktober Gedichte Rumis in deutscher Übertragung und in der klangvollen Originalsprache zu Gehör. Rumi war ursprünglich nur ein Beiname des "ehrwürdigen Herrn Jjalaluddin aus Balkh," der seine Wirkungsstätte benannte: Rum ist eine alte Bezeichnung für Anatolien. Maulana Jjalaluddin wurde 1207 in Balkh, heute Mazar—i Sharif, Afghanistan, geboren. Er wirkte den größten Teil seines Lebens als Koranlehrer und Schriftsteller in Konya, wo er 1273 auch starb. Er muss ein verrückter Kerl gewesen sein, der mutig genug war, für seine unmittelbare Gotteserfahrung die muslimische Orthodoxie und ihre das gesamte Leben regelnden Gesetze beiseite zu lassen und in mystischer Verzückung durch die Gassen zu tanzen. In seinen Gedichten besang er unbedingte Liebe und Trunkenheit als die wahren Wege zu Gott. Nur seine geachtete Stellung und ein Kreis treuer Schüler schützten ihn vor Anfeindungen und den Versuchen der Mullahs, ihn, wie viele Mystiker vor und nach ihm, wegen Blasphemie und Unruhestiftung dem Tod zu überliefern. Sein spirituelles und literarisches Werk erfuhr schon zu Lebzeiten breite Beachtung und er wurde nach seinem Tod schon bald als Heiliger verehrt. Bis heute besuchen viele Menschen sein Grab in Konya und seine Gedichte werden im gesamten Orient bei jeder sich bietenden Gelegenheit rezitiert. Rumis Schüler gründeten den Orden der Mevlevi und ihre Nachfolger pflegen bis heute sein Andenken mit besonderen Kompositionen auf den Text seiner Gedichte. Bei allen Unterschieden speisen sich westliche und östliche Musik aus einer Quelle: der wohlklingenden Mathematik des Pythagoras. Der Überlieferung nach behandelte er schon im 6. vorchristlichen Jahrhundert Kranke mit Klängen. Während arabische und persische Gelehrte sein Wissen aufgriffen, weitergaben und vertieften, erlosch es im Westen in der Spätantike. Eine sofort hörbare Besonderheit der orientalischen Musik ist ihre Einstimmigkeit, eine Form, die in Europa auf den gregorianischen Choral beschränkt blieb. Die orientalische Monodie entfaltet ihren Reichtum einmal durch den Wechsel instrumentaler Klangfarben, vor allem aber durch komplexe Rhythmen und eine hochdifferenzierte Melodieführung. Sie schreibt subtile Tonbewegungen vor, welche die westliche Musik in ihrer Beschränkung auf 12 Töne nicht kennt. So entstand ein unvergleichlicher Schatz an Tonarten, deren unterschiedliche Wirkungen auf Körper Geist und Seele schon vor mehr als tausend Jahren beobachtet, beschrieben und heilend eingesetzt wurden. Ein kleiner Kreis von Musiktherapeuten in aller Welt hält dieses alte Wissen bis heute lebendig und auch Norbert Michael wendet es in seinen Klangsitzungen an. © Norbert Michael http://messadivoce.com

Termin

Beginn: Freitag, 13.10.2017 13:10
Ende: Freitag, 13.10.2017 13:13

Preis:

30 €, Vorverkauf http://eventim.de

Ort:

Kirche St.Rochus
Rochusweg 11
53894 Mechernich
Hinweis: